Artenvielfalt: Engerlinge im Garten sind oft Rosenkäfer und keine Schädlinge

Liebe Gartenfreunde,
ich bekam eine Anfrage aus unserer Gartenanlage mit Foto zugeschickt. Abgebildet ist eine Plastikschale mit vielen verendeten Engerlingen. Die Tiere waren eingesammelt worden und in einer Schale vermutlich für Vögel zum Fressen hingestellt. Die Frage war, ob wir in der Gartenanlage ein Mai- bzw. Junikäfer-Problem haben.
Rosenkäfer-Larven werden gern verwechselt
Nein. Da kann man beruhigt sein. Bei den Larven handelt es sich um Rosenkäferlarven. Sie stehen unter Naturschutz. Sie sind in der Liste für besonders geschützte Arten geführt und das aus gutem Grund. Sie alle gehören zu den Nützlingen und jeder der auch nur eine Handvoll dieser Larven im Kompost hat, kann sich über diesen natürlichen und kostenlosen Kompostbeschleuniger freuen.
Warum werden sie oft fälschlich für Mai/ Juni Käferlarven gehalten?
Alle Larven der Blatthornkäferfamilie haben einen mehr oder weniger aufgeblähten hinteren Körperteil (je nach Zustand) und drei gebogene Beinpaare am vorderen Körperabschnitt. Außerdem krümmen sie sich charakteristisch zeitweise zu einem C. Zeitweise? Die C -Form ist eine natürliche Ruhe- oder Schonstellung. Ist der Käfer eher gerade und wenig gekrümmt dann ist er bereit für Nahrungsaufnahme (angerottete Pflanzenteile) bzw. möchte er aktiv „arbeiten“. (^.^)v
Die Vergleichbarkeit ist vor allem dann nicht gegeben, wenn die unterschiedlichen Arten in unterschiedlichem Alter und verschiedenen Zustand dargestellt werden. Das Larvenstadium dauert je nach Art bis zu 3 Jahre. Beim großen Goldkäfer sogar 5 Jahre. Im Videos sieht man, wie sich die Larven des Rosenkäfers auf den Rücken drehen und robben. Das tun sie aber nicht in jedem Stadium. Auch definieren sich die Vorderbeine vor der Verpuppung beim Rosenkäfer etwas mehr. Bei Junikäfern ist es ausgeprägter als beim Rosenkäfer. Rosenkäfer werden leider auch vernichtet, weil im Internet vom schädlichen Japankäfer berichtet wurde. Anfänglich sogar mit Foto von unserem heimischen Rosenkäfer.

Abgesammelte Rosenkäfer-Larven, die für Mai- oder Junikäfer-Larven gehalten wurden.
Rosenkäfer im Garten schützen
Es gibt mehrere Arten von einheimischen Blatthornkäfern, die unter Naturschutz stehen. Bei uns haben wir 4 verschiedene einheimische Arten des Rosenkäfers gefunden. Den Trauer-Rosenkäfer, den Goldglänzenden Rosenkäfer, den Marmorierten Rosenkäfer und den Bronzegrünen Rosenkäfer.
Hinweis zur groben Orientierung: Käfer und Schmetterlinge legen ihre Eier immer direkt an deren Futterquellen für ihre Larven ab. Findet ihr also die Larven im Kompost, interessieren sie sich schon mal nicht für eure Rasenwurzeln oder Obstbäume. (^.^) Beim Pfauenauge ist es die Brennnessel, beim Rosenkäfer der noch nicht fertige Kompost aus der Humuswirtschaft. Und beim Kartoffelkäfer Kompost, Mulch, Totholz.
Tatsächlich hat die Rosenkäfer-Population stark nachgelassen. Massenweise werden Rosenkäfer und deren Larven aus Unkenntnis vernichtet. Ein einzelner kleiner kreisrunder brauner Fleck auf der Wiese ist kein Hinweis auf eine drohende Maikäferplage. Halbreifer Kompost oder Erde aus der Kompostieranlage ist ideal für Rosenkäfer, weil das Material anteilig noch sehr viele Pflanzenfasern und Holzschnitzel enthält. Schätzt euch also glücklich diesen hübschen Käfer und seine Larven zu haben. Die meisten ausgewachsenen Rosenkäfer ernähren sich vom Nektar und den Pollen der Pflanzen. Rhabarberblüten sind besonders beliebt. Aber auch Staubgefäße und Blütenstempel stehen auf dem Speiseplan. Daneben ernährt sich der Käfer vom Saft verletzter überreifer Früchte. Doch man kann beruhigt sein: Der Rosenkäfer verursacht keine nennenswerten Fraßschäden. Im Gegenteil: Er wurde im Jahr 2000 zum Insekt des Jahres gewählt – unter anderem für seine wichtige Rolle in unserem Ökosystem als Humusbildner und Blütenbestäuber.
Liebe Grüße und Danke fürs berücksichtigen. (^.^)/




Katja Gottwald, Fachberaterin
Titelbild: Michael Reichelt/Pixabay
Artikel empfehlen & teilen!
Verwandte Artikel

Ziergehölze für den naturnahen und artenreichen Kleingarten

Karo-Tina Aldente: Bohnen, Walnüsse und Energiebällchen

Invasive Neophyten: Kanadische Goldrute im Kleingarten angekommen

Kräuterapotheke: Ysop, das heilige Kraut gegen Husten & Halsschmerzen

Queerbeet Lesetipps: “Unser naturnaher Kleingarten” von Tobias Bode

Kleingärtnern und Mitgestalten: Werde Teil unseres Redaktionsteams
Alle wichtigen Neuigkeiten jetzt kostenfrei als Newsletter abonnieren!
“Unser Kleingarten” wird Ihnen regelmäßig als Newsletter präsentiert und bietet Ihnen eine Fülle von Informationen und Ressourcen rund um das Thema Kleingärten.