Karo-Tina Aldente: Sandarium, Förmchen und Sandgebäck

Unser Gartenfachberater, den alle nur Pierre nennen, weil er dem französischen Schauspieler Pierre Richard ähnlichsieht, steht am Zaun unserer neuen Gartennachbarin Sabine und schüttelt sein gelocktes Haupt. “Ich finde es großartig, dass ihr ein Sandarium bauen wollt, aber muss das unbedingt an der Stelle sein? Wo wollt ihr denn in der kommenden Saison euer Gemüse anbauen?”
Sandarium neben dem Gemüsebeet
Sabine steht in einer knietiefen Grube und sieht sich in ihrem Garten um. “Wir könnten die Wiese dort wegmachen”, sagt sie und deutet auf ein kleines Wiesenstück zwischen Gemüsebeet und Gewächshaus.
“Ihr könntet aber auch einen Teil der Wiese als Sandarium umbauen und das Gemüsebeet weiter als Gemüsebeet nutzen. An der Wiese hätten die bodenbrütenden Wildbienen auch gleich ein paar Blüten.”
Während die Erwachsenen reden, schaufelt Sabines Sohn Melvin zu ihren Füßen mit einer Kinderschaufel eifrig an dem Loch im Gemüsebeet.
“Melvin”, sagt Sabine, “warte mal. Ich glaube, wir ändern unseren Plan.”
Pierre fragt: “Darf ich zu euch reinkommen?”
“Natürlich.”
Pierre nimmt einen Spaten und sticht an der Wiese ein Rondell von circa achtzig Zentimetern aus. Kaum hat er die ersten Soden ausgehoben, ist Melvin zur Stelle und stochert mit seiner Schaufel im Aushub.
Pierre hebt Sode um Sode aus, legt sie vorsichtig zur Seite und schnauft: “Wie seid ihr eigentlich auf die Idee mit dem Sandarium gekommen?”
“Wir wollen die alte Buddelkiste für Melvin neu herrichten. Da haben wir nun den alten Spielsand übrig.” Sabine deutet auf eine Schubkarre und mehrere Mörteleimer voll Sand. Pierre prüft den Inhalt der Eimer mit der Hand. “Ich fürchte, der ist nicht stabil genug. Da müsst ihr noch etwas Lehm dazu mischen.”

Sandarium im KGV „Fortschritt“ Leipzig-Lindenau (Foto: Sebastian Runge, KGV „Fortschritt“ Leipzig-Lindenau).
Sand, Lehm und Sandkekse
“Mama, was ist Lehm?”
“Eine andere Art Boden, Schatz.” Sabine streicht ihrem Sprössling über das Haar.
“Ich bringe euch gleich mal zwei Eimer mit Lehm und dann mischen wir. Ihr könnt inzwischen den Krater im Gemüsebeet wieder verfüllen. Oder wollt ihr es im kommenden Jahr mal mit einem Kraterbeet versuchen?”
“Hört sich interessant an. Wo wir nun schon so fleißig gegraben haben”, stellt Sabine fest.
Wenig später kehrt Pierre mit zwei Mörteleimern voll Lehm zurück. Sabine schüttet die Schubkarre in das Rondell in der Wiese. Melvin ruft aufgeregt: “Eine Krabbe, eine Krabbe.”
“Wo soll denn hier eine Krabbe herkommen.” Sabine schüttelt ihren Kopf. Melvin gräbt im Sandhaufen und fördert eine Krabbe zutage. Sabine lacht. Es handelt sich um ein Sandförmchen in Krabbengestalt. Auch Pierre schmunzelt. “Damit können wir nach dem Mischen mit dem Lehm die Förmchenprobe machen.” Sabine sieht ihn fragend an.
Pierre erklärt: “Wir testen, ob der Sand stabil genug ist, damit die Bienen ihre Brutröhren darin bauen können. Dazu drücken wir den Sand in einen Becher oder eben in das Sandförmchen hier und stürzen den verdichteten Sand auf eine stabile Unterlage. Wenn der Sand auch im trockenen Zustand nicht auseinanderbröselt, ist er für die Niströhren geeignet. Wenn unsere Mischung einen sehr stabilen Eindruck macht, können wir mit dem Fingernagel vorsichtig kratzen und feststellen, ob die Mischung nicht zu hart wird. Wenn wir mit dem Fingernagel die äußere Schicht gut abkratzen können, dann schaffen die Bienen das mit ihren Mandibeln auch.”
“Mutti, was sind Mandibeln?” Sabine sieht fragend zu Pierre.
“Mandibeln nennt man die Kauwerkzeuge von Insekten”, doziert Pierre. Er greift sich einige umherliegende Holzstücke und drapiert sie um das Sandrondell. “Obendrauf würde ich noch ein paar Brombeerranken oder Rosenzweige legen, damit das kein Katzenklo wird.”
“Wenn wir hier fertig sind, lade ich euch auf ein paar Kekse ein”, sagt Sabine.
“Oho”, freut sich Pierre, “welche Art von Keksen?”
“Natürlich Sandkekse”, grinst Sabine.
Sabine hatte 150 Gramm zerlassene Margarine mit 170 Gramm Rohrohrzucker und zwei Gramm Vanilleextrakt schaumig gerührt. Dann raspelte sie 150 Gramm achtzigprozentige Bitterschokolade und siebte 30 Gramm Kakaopulver, fünf Gramm Natron, drei Gramm Salz und 175 Gramm Mehl dazu. Dann rührte sie diese Zutaten unter die schaumige Margarine zu einem glatten Teig. Dieser wurde dann zu einer zirka drei Zentimeter dicken Rolle in Frischhaltefolie gerollt und nach einigen Stunden im Kühlschrank zu circa 5 Millimeter dicken Scheiben geschnitten und bei 160 °C im Umluftherd circa zehn bis zwölf Minuten lang gebacken. Die Plätzchen sehen zunächst noch weich aus, härten aber beim Abkühlen aus.
Karo-Tina Aldente
Zutaten: Sandkekse
- 150 g zerlassene Margarine
- 170 g Rohrohrzucker
- 2 g Vanilleextrakt
- 150 g Bitterschokolade 80 %
- 30 g Kakaopulver
- 5 g Natron
- 3 g Salz
- 175 g Mehl
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