„Natur im Garten Sachsen“ e.V. blickt auf erstes Geschäftsjahr zurück


3 Frauen und ein Mann vor einem Zaun mit der Plakette von "Natur im Garten"

Die Initiative „Natur im Garten“ wurde in Österreich ins Leben gerufen, um Gärten naturnaher und umweltfreundlicher zu gestalten. Ziel ist es, private, öffentliche und gewerbliche Grünflächen ohne chemische Pestizide und Kunstdünger zu pflegen und gleichzeitig Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere zu schaffen. Seit kurzem hat das Projekt einen sächsischen Ableger, der sich aktiv für das naturnahe Gärtnern in Klein- und Privatgärten einsetzt. Ein Interview mit Sven-Karsten Kaiser, dem Vorsitzenden von „Natur im Garten Sachsen“ e.V. und stellvertretenden Vorsitzenden von „Natur im Garten Deutschland“ e.V.

Interview mit Sven-Karsten Kaiser von “Natur im Garten” Sachsen

Unser Kleingarten:
Herr Kaiser, die Bewegung „Natur im Garten“ wurde 1999 in Niederösterreich mit der Grundidee „Gärtnern mit der Natur“ ins Leben gerufen. Seit 2012 gibt es mit „Natur im Garten International“ eine Bewegung, an der auch Vereine aus deutschen Bundesländern beteiligt sind. Wie kam es zur Gründung von „Natur im Garten Sachsen“?

Sven-Karsten Kaiser:
Die Arbeit von „Natur im Garten“ fußt auf einem Lizenzvertrag, den die „Natur im Garten Service GmbH“ mit den vertretenden Vereinen abschließt. In den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sind es zum Beispiel Landschaftspflegeverbände, in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt Gartenakademien und in Thüringen und Sachsen wurden eigenständige Vereine gegründet, um den Lizenzvertrag abschließen zu können. So ist gewährleistet, dass sowohl Kleingärten als auch Privatgärten, Schulgärten, Gemeinden, Wohngenossenschaften und andere für ihre Grünanlagen die Auszeichnung mit der ‚Natur im Garten‘-Plakette beantragen können. In Sachsen haben wir am 6. Dezember 2024 den Verein gegründet. Über die Vergabe der Plaketten hinaus, wollen wir die Idee des naturnahen Gärtnerns durch Informationsveranstaltungen fördern. Die Auszeichnung mit der Plakette steht ja am Ende einer Entwicklung und wir wollen natürlich auch Initiatoren und Begleiter dieser Entwicklung sein.

Unser Kleingarten:
Was müssen sächsische Naturgärtnerinnen und Naturgärtner unternehmen, um die Auszeichnung mit der ‚Natur im Garten‘-Plakette zu erhalten?

Sven-Karsten Kaiser:
Wenn ein Garten die Kernkriterien der „Natur im Garten“-Bewegung erfüllt, ist der erste Schritt getan. Diese sind in ganz Europa gleich: Verzicht auf Pestizide, Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Verzicht auf Torf. Bei Kleingärten nach Bundeskleingartengesetz kommt als weiteres Kernkriterium die Nutzung von mindestens einem Drittel der Fläche für den Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf hinzu.

Unser Kleingarten:
Und dann schreibt man eine E-Mail an naturimgarten.sachsen@gmx.de und beantragt die Plakette?

Sven-Karsten Kaiser:
Die Beraterinnen und Berater von „Natur im Garten“ prüfen noch weitere Aspekte des naturnahen Gärtnerns. Es müssen mindestens sieben Naturgartenelemente vorhanden sein. Zu den Naturgartenelementen zählen Wildgehölze, Wildstrauchhecken, Wildblumenwiesen, Naturwiesen, Kräuterrasen und Naturrasen, das Zulassen von Wildwuchs, wilde Ecken, feuchte oder trockene Sonderstandorte, standortgerechte Bäume und heimische und ökologisch wertvolle Blumen und Stauden. Außerdem werden im Bereich des Nutzgartens die Elemente Komposthaufen, Wurmbox, Bokashi, Nützlingsunterkünfte, Regenwassernutzung, umweltfreundliche Materialwahl, das Mulchen, ein Gemüse- und Kräutergarten, Obstgarten und Beerensträucher, die Anwendung von Mischkultur, Fruchtfolge und Gründüngung angeschaut. Mindestens fünf vorhandene Elemente sind Voraussetzung für den Erhalt einer Auszeichnung.

Zusätzliche Punkte können erworben werden durch nicht vorhandene Bodenversiegelung, versickerungsfähige Wege und Plätze, nicht vorhandene Lichtverschmutzung, einen nahezu plastikfreien Garten und eine tierschonende Gartenpflege. Gärtnerinnen und Gärtner, die bei einer selbstkritischen Betrachtung ihrer naturnahen Gärten zu dem Schluss kommen, dass die genannten Kriterien überwiegend erfüllt sind, können uns eine E-Mail schreiben. Wir schicken ihnen dann das Antragsformular zu.

Unser Kleingarten:
Ist diese Antragstellung mit Kosten verbunden? 

Sven-Karsten Kaiser:
Ja, für Gärtnerinnen und Gärtner, die nicht Mitglied im Verein „Natur im Garten Sachsen“ sind, kostet der Antrag zur Erteilung der Plakette einmalig 130 Euro. Damit sind die Kosten für einen etwa zweistündigen Besuch von zwei „Natur im Garten“-Berater:innen, eine Urkunde und eine Emaille-Plakette für das Gartentor gedeckt.

Unser Kleingarten:
Und wie hoch sind die Kosten für die Mitglieder des „Natur im Garten Sachsen“ e.V.?

Sven-Karsten Kaiser:
Unsere Mitglieder erhalten den Besuch der Berater:innen, die Urkunde und die Plakette für 40 Euro. Allerdings fördern unsere Mitglieder die Arbeit unseres Vereins mit ihrer Aufnahmegebühr in Höhe von 60 Euro und ihrem jährlichen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 60 Euro bzw. ermäßigt 30 Euro.

Unser Kleingarten:
Wie wird man Mitglied im „Natur im Garten Sachsen“ e.V. und wer kann den ermäßigten Jahresbeitrag in Anspruch nehmen?

Sven-Karsten Kaiser:
Wer Mitglied werden möchte, kann über unsere E-Mail-Adresse naturimgarten.sachsen@gmx.de einen Aufnahmeantrag anfordern. Wenn gleichzeitig ein Antrag auf Auszeichnung eines Gartens gestellt wird, belaufen sich die Kosten auf 100 € (60 € Aufnahmegebühr und 40 € für die Auszeichnung). Der ermäßigte Jahresbeitrag gilt für Rentner:innen, Studierende, Schüler:innen, Auszubildende und Menschen mit Anspruch auf Grundsicherung jeweils mit den entsprechenden Nachweisen. Die Antragsformulare können auch über unsere Postadresse „Natur im Garten Sachsen“ e. V., Loschwitzer Straße 42, 01309 Dresden, angefordert werden.

Unser Kleingarten:
Was qualifiziert die „Natur im Garten“-Beraterinnen und -Berater zur Beurteilung der Gärten?

Sven-Karsten Kaiser:
Unsere Beraterinnen und Berater erhalten von „Natur im Garten International“ eine Ausbildung, die aus sechs Webinaren und einer praktischen Prüfung besteht. Ich selbst absolvierte diese Ausbildung zusammen mit Antje Krüger, der heutigen stellvertretenden Vorsitzenden von „Natur im Garten Sachsen“ e. V., im Frühjahr 2024. Die praktische Prüfung legten wir bei Christa Ringkamp, der Vorsitzenden der „gARTenakademie Sachsen-Anhalt“ e. V., ab. Weitere Gründungsmitglieder schlossen die Ausbildung im Jahr 2025 ab. Insgesamt gibt es in Sachsen derzeit sieben „Natur im Garten“-Beraterinnen und -Berater.

Unser Kleingarten:
Und wie viele Gärten haben Sie 2025 in Sachsen ausgezeichnet?

Sven-Karsten Kaiser:
Wir konnten 2025 insgesamt 18 Plaketten übergeben. Davon gingen zwei an Gärten, die das Potenzial zum „Natur im Garten“-Schaugarten haben, und zwei an Kleingartenparzellen.

Übergabe der Plakette

Oliver Richter (Mitte) erhält von „Natur im Garten“-Beraterin Karin Lange (rechts) und „Natur im Garten“-Berater Bernd Lange (links) die Auszeichnung mit der „Natur im Garten Sachsen“-Plakette und der Urkunde für seinen Erzgebirgsgarten in Großrückerswalde. (Erzgebirgsgarten – Der Garten)/Kaiser

Unser Kleingarten:
Hat denn schon einmal ein Antragstellender die Auszeichnung nicht erhalten?

Sven-Karsten Kaiser:
In den anderen Bundesländern hat es schon Fälle gegeben, bei denen die Auszeichnung nicht vorgenommen werden konnte, weil die Kriterien nicht eingehalten wurden. In Sachsen hatten wir zum Glück noch keinen solchen Fall.

Unser Kleingarten:
Sie sprachen davon, dass 2025 zwei Ausgezeichnete das Potential zum „Natur im Garten“-Schaugarten haben. Wie kann ein naturnaher Garten offiziell ein solcher Schaugarten werden?

Sven-Karsten Kaiser:
Am Anfang steht immer die Auszeichnung mit der „Natur im Garten“-Plakette. Hat ein Garten diese Hürde genommen, kann der Schaugartenstatus beantragt werden. Dazu müssen zusätzliche Bedingungen erfüllt sein. So sollten Schaugärten z.B. regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich sein und über Parkmöglichkeiten sowie Zugang zu Toiletten verfügen.

Unser Kleingarten:
2025 hat gezeigt, was möglich ist, welche Pläne gibt es bei „Natur im Garten Sachsen“ für 2026?

Sven-Karsten Kaiser:
Zunächst wollen wir wieder Naturgärten auszeichnen. Darüber hinaus werden wir im Rahmen eines Pilotprojekts für „Natur im Garten Deutschland“ auch eine spezielle Auszeichnung für naturnah gestaltete Balkone, Terrassen und Dachterrassen anbieten. Hier rechnen wir vor allem mit Nachfragen aus den großen Städten, wo der Balkon oftmals die einzige Möglichkeit ist, einer Gartenleidenschaft zu frönen.

Außerdem hat die Mitgliederversammlung des „Natur im Garten Sachsen“ e.V. Ende 2025 beschlossen, eine Parzelle im ersten naturnahen Kleingärtnerverein Dresdens, dem Verein „ARONIA“ e.V., zu pachten. Diese Parzelle soll vor allem für praxisnahe Schulungsangebote genutzt werden. Die erste Veranstaltung fand bereits am 28. Dezember 2025 statt.

Gefördert durch den Bundesverband der Schreberjugend stellten die Gartenfreundinnen und Gartenfreunde Pflanzenkohle in einem Kontiki her. Die Mitglieder von „Natur im Garten Sachsen” werden 2026 auf zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen präsent sein. Unter anderem bei Tagen der „Offenen Gartenpforte“, auf Gartenmessen und beispielsweise auch wie schon 2025 beim Sommerfest des Botanischen Gartens der TU Dresden. Am „Tag des Naturnahen Gartens“, der am 30. Juni 2026 stattfindet, ist auf der Parzelle des KGV „ARONIA“ e. V. an der Pirnaer Landstraße 246 in 01259 Dresden eine Baumpflanzung geplant.

Nicht zuletzt sind unsere Mitglieder, die bereits ausgezeichnete Gärten pflegen, aufgerufen, ihre Gärten am 30. Juni für Interessierte zu öffnen und sich auch an den Tagen der offenen Gartenpforte zu beteiligen, die zu regional unterschiedlichen Terminen stattfinden.

Unser Kleingarten:
Vielen Dank für das angenehmen Gespräch, Herr Kaiser.

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Mehr Informationen

Titelbild:
Praktische Prüfung der NiG-Berater:innen im April 2024 in Sachsen-Anhalt. Von links: Christa Ringkamp (Geschäftsführende Vorsitzende „European Garden Association“, Vorsitzende „gARTenakademie Sachsen-Anhalt“ e. V., Prüferin), Steffi Trittel (Schatzmeisterin NiG-Deutschland, NiG-Beraterin Sachsen-Anhalt), Antje Krüger (Vorsitzende KGV „ARONIA“, Gartenfachberaterin, Pflanzendoktorin, NiG-Beraterin Sachsen), Sven-Karsten Kaiser (Gartenfachberater, Pflanzendoktor, NiG-Berater Sachsen)/Kaiser

Carmen Kraneis

 

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