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Gefahr durch Mähroboter: Blindschleiche besonders häufig Opfer

in Gartenpraxis, Sonstige Gartentipps

Dass Mähroboter für Igel eine Gefahr darstellen können, ist vielen Nutzenden und Herstellenden mittlerweile bekannt. Schutzmaßnahmen und Sensortechnik, die die kleinen Säugetiere im Gras erkennen sollen, werden dadurch immer populärer. Doch auch für andere Tiere stellen Mähroboter eine große Gefahr dar. Eines davon ist die Blindschleiche, die besonders häufig Opfer von Mährobotern wird.

Blindschleiche besonders durch Mähroboter gefährdet

Auch wenn die Blindschleiche einen markanten Namen trägt und einer Schlange ähnelt, ist sie weder blind, noch gehört sie zur Gattung der Schlagen. Vielmehr handelt es sich hier um eine Echse, der lediglich von Natur aus die Beine fehlen. Anguis fragilis, so der lateinische Name, gehört zur Familie der Schleichen und damit zu den Reptilien. Der Name Blindschleiche soll sich vom althochdeutschen Wort “Plintslicho” ableiten, was so viel wie “blendender Schleicher” bedeutet und sich auf das silbern glänzende Schuppenkleid des Tieres bezieht. Denn dieses ist bei erwachsenen Tieren bräunlich, kupferfarben oder Bronze und schimmert leicht metallisch. In jungen Jahren besitzen Blindschleichen oft einen sogenannten Aalstrich, eine vom Kopf bis zum Schwanz, meist durchgehende, schwarze Linie in der Mitte der Oberseite. Sie sind dann oft heller und können silbern oder gelblich sein. Der metallische Glanz ist jedoch bereits erkennbar. Verbreitet ist die Art in ganz Europa bis nach Nordspanien, den Balkan und das südliche Skandinavien. Aktuell gehört die Blindschleiche noch nicht zu den gefährdeten Arten, ihr Bestand geht jedoch spürbar zurück.

Blindschleiche

Blindschleichen sind keine Schlangen, sondern gehören zu den Eidechsen (Foto: Ruth Byrne/Pixabay).

Schuld daran sind vor allem die stärker werdende menschliche Besiedlung ihrer Lebensräume, eine invasive Forst- und Landwirtschaft, die Entwässerung von Landschafen, der Straßenbau und mehr. Dadurch wird der natürliche Lebensraum der Schleiche immer kleiner, so dass sie immer stärker auch in Gärten anzutreffen ist. Dort wird sie oft nicht gern gesehen, da viele Menschen die Blindschleiche für eine Schlange halten. Verletzungen und gar Tötungen aufgrund dieser Verwechslung sind für die Tiere an der Tagesordnung. Dabei ist die Blindschleiche weder eine Schlange noch giftig. Eine große Gefahr stellen zudem Rasenmäher dar. Während die Tiere bei regulären Mähern meist noch rechtzeitig flüchten können, haben sie Rasenmährobotern oft wenig entgegenzusetzen. Vor allem die durch die Roboter generell flach gehaltenen Rasenflächen in der Sonne sind beliebte Flächen für ein Sonnenbad. Da sich die Roboter deutlich lautloser nähern als reguläre Mäher, ist es für eine Flucht oft zu spät.

Blindschleiche: Keine Schlange, sondern eine Eidechse

Ein großes Problem liegt im Verhalten der Schleichen begründet. Denn sie fliehen bei Gefahr nicht, sondern verharren oft minutenlang an Ort und Stelle oder ziehen sich nur langsam in höhere Vegetation zurück. Das schützt die Tiere vor Fressfeinden, ist bei drohender Mähroboter-Gefahr jedoch ein Todesurteil. Denn die autonomen Mäher halten weder an, wie es Fressfeinde tun würden, noch erkennen ihre Sensoren die kleine, oft nur wenige Zentimeter lange Echse. Die Folge sind schwere Verletzungen bis hin zum sofortigen Tod durch Verstümmelungen. Besonders junge Blindschleichen, die nur wenige Millimeter dick und nicht länger als ein Bleistift sind, werden hier praktisch zerhäckselt. 

Der von vielen geforderte Tagbetrieb der Mähroboter schützt zwar nachtaktive Igel, führt jedoch dazu, dass tagsüber vor allem Insekten, Blindschleichen, Eidechsen und andere Tiere von den Robotern erwischt werden. Naturnahe Gärten mit Hecken, Totholz, Laub- und Komposthaufen, Steinstrukturen und höherem Gras sind die idealen Lebensräume für Blindschleichen und andere Tiere. Leider sind diese Gärten auch die Bereiche, die besonders häufig durch Mähroboter gepflegt werden. Dadurch entstehen ökologische “Fallen”: Der Garten lockt die Tiere an, gleichzeitig birgt er durch den autonomen Mähbetrieb dauerhafte Gefahren. Tiefe Schnittverletzungen, Amputationen des Schwanzes oder von Körperteilen, Durchtrennungen der Wirbelsäule und massive innere Verletzungen sind die Folge von Mähroboter-Begegnungen. Das Problem: Ähnlich wie Igel ziehen sich verletzte Tiere zum Sterben zurück und werden von Gärtnernden nur selten gefunden. Die Dunkelziffer an durch Mähroboter-Verletzungen verendeten Tieren ist dadurch Schätzungen zufolge sehr hoch.

Blindschleiche in der Wiese

Blindschleichen sind besonders gern in niedrigem Gras unterwegs und nehmen ein Sonnenbad (Foto: Jürgen jggrz/Pixabay).

Was tun, um Blindschleichen zu schützen?

Doch wie reagieren Gärtnernde nun am besten auf diese Gefahren? Die effizienteste Methode ist natürlich der Verzicht auf Mähroboter und das “manuelle” Mähen mit einem handelsüblichen Rasenmäher. Das gibt Tieren wie der Blindschleiche die Möglichkeit, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Außerdem lassen sich Tiere im Gras leichter erkennen und können umfahren werden. Gleichzeitig senkt der Verzicht auf den autonomen Rasenmäher meist automatisch die Mähfrequenz. Das Gras wird höher, wird seltener gemäht und fördert Lebensräume für Wildblumen, Insekten, Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger. Gerade im Hinblick auf die immer heißer werdenden Sommer verbrennt längeres Gras auch nicht so schnell und hat Hitze und Wassermangel mehr entgegenzusetzen. Hinzukommen weitere Maßnahmen, die helfen, Blindschleichen und andere Tiere vor einem Zusammenstoß mit dem Rasenmäher zu schützen:

  • Vor dem Mähen einen Rundgang machen und das zu mähende Gras auf Tiere kontrollieren
  • Bewusst “wilde Inseln” stehen lassen, um Tieren und Insekten einen Rückzugsort zu bieten
  • Nicht bei kühlem Wetter oder nach dem Regen mähen. Da sich Blindschleichen und Amphibien auf kurzen Wiesen und an Wegrändern aufwärmen sind die Tiere hier besonders gefährdet
  • Naturnahe Bereiche wie Heckenränder, Totholzhaufen, Steininseln, Laubhaufen, Brennnessel- oder Wildblumeninseln bewusst anlegen und beim Mähen aussparen. Das schaffte nicht nur mehr Artenvielfalt, sondern auch Rückzugsorte für Insekten und kleine Tiere
  • Auf Nachtfahrten verzichten, um Igel und nachtaktive Tiere zu schützen

Auch das proaktive Informieren von Kindern und Gartennachbarn kann helfen, das Gespür für Blindschleichen und Co. im Garten zu stärken. Viele wissen gar nicht, dass es sich bei Blindschleichen um beinlose Eidechsen und nicht um Schlangen handelt. Wohnen Blindschleichen im eigenen Garten, haben Gärtnernde sozusagen den ökologischen Hauptgewinn gezogen. Denn die Tiere sind nicht nur absolut harmlos, sondern auch effektive Fressfeinde von Nacktschnecken, Spinnen, Regenwürmern und anderen Insekten. Sie sorgen für die Wahrung des ökologischen Gleichgewichts und zeigen gleichzeitig, dass im Garten ökologisch vieles richtig gemacht wird und es genug Nahrung für die kleinen Reptilien gibt. 

Gut zu wissen:
Blindschleichen können bis zu 30 Jahre alt werden, vereinzelt sogar bis zu 40 Jahre. Die Weibchen gebären einmal pro Jahr zwischen 6 und 15 Jungtiere. Der Verlust eines erwachsenen Tieres wiegt deshalb für eine Population besonders schwer. Aber auch getötete Jungtiere können nur schwer wieder ausgeglichen werden. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist die harmlose, beinlose Echse “besonders geschützt”. Es ist daher verboten, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Lebensräume zu zerstören.

Carmen Kraneis

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