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Vielfalterei: Heimische Vögel richtig füttern – So geht’s

in Artenvielfalt, Gartenpraxis
Zwei Meisen in einem Vogelhaus

Ob Wildvögel im Winter gefüttert werden sollten oder nicht, wird immer wieder heiß diskutiert. Umweltschützer und Experten raten dazu, die Tiere in der kalten Jahreszeit zu unterstützen, wenn dafür ein paar Regeln eingehalten werden. Denn auch, wenn die Winterfütterung allein keine große Hilfe gegen das Artensterben darstellt, sorgt sie dafür, dass die Tiere gut durch den Winter kommen (Foto: Lidia Stawinska/Unsplash).

Vögel im Winter füttern: Ja, bitte.

Organisationen wie der NABU sprechen sich klar für das Füttern von Wildvögeln im Winter aus. Allerdings sollten Kleingärtnerinnen und Kleingärtner, die den Tieren etwas Gutes tun möchten, nicht zu den fertigen Mischungen im Handel greifen. Die sind zwar besser als nichts, oft jedoch zu wenig vielfältig, um den Bedürfnissen mehrerer Vogelarten gerecht zu werden. Außerdem ist oft minderwertiger Weizen enthalten, der kaum Abnehmer findet und nutzlos im Futterhäuschen liegen bleibt. Doch auch die restlichen Inhaltsstoffe sind nicht für alle Vogelarten gleichermaßen geeignet. Denn diese fressen bei weitem nicht nur Körner und lassen sich grob in zwei Futtervorlieben einteilen. Während die einen vorwiegend Weichfutter fressen, das sie in den wärmeren Jahreszeiten vom Boden aufpicken, bevorzugen die anderen vor allem Körner und Samen. Dazwischen gibt es die sogenannten Allesfresser, die nicht allzu spezialisiert sind. Dazu zählen zum Beispiel Kleiber, Meisen und Spechte. Ihnen schmeckt vieles, auch die typischen im Handel erhältlichen Futtermischungen. Schwieriger wird es, die Futtervorlieben anderer Arten zu treffen.

Meise und Amsel in einem Futterhaus im Schnee

Ein Futterhaus mit einer  bunten Mischung an Körnern und Weichfutter zieht im Winter zahlreiche Wildvögel an (Foto: gamagapix/Pixabay).

Zu den Weichfutterfressern gehören zum Beispiel Rotkehlchen, Amseln, Heckenbraunellen, Zaunkönige und Stare. Körnerfresser sind hingegen Finken, Sperlinge, Zeisige und Gimpel. Sie bevorzugen Körner und Samen. Etwa Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse, Kürbiskerne, Bucheckern, ungesalzene Erdnüsse und Walnüsse. Damit können jedoch die Weichfutterfresser nicht viel anfangen. Sie sind eher an Obst wie Äpfel und Rosinen, Haferflocken, Kleie, Mohn und Mehlwürmern interessiert. Je kleiner die Stücke sind, desto besser können sie auch von kleinen Arten wie dem Zilpzalp gepickt werden. 

Vögel richtig füttern mit ein paar Tricks

Diese Futtervorlieben zeigen gut, dass die Mischungen im Handel oft nur für einige wenige Arten geeignet sind. Vor allem billige Mischungen mit Weizen helfen den Tieren im Winter kaum. Diese profitieren davon, wenn Kleingärtnerinnen und Kleingärtner bewusst füttern und sich vorab Gedanken über Futter und Futterplatz machen. Der liegt am besten in einer geschützten Ecke des Gartens, ist hoch genug, um Katzen und andere Kletterer fernzuhalten, und bietet Versteckmöglichkeiten in der Nähe. Ob es sich um ein klassisches Futterhaus oder eine andere Art Futterplatz handelt, ist dem eigenen Geschmack überlassen. Wichtig ist, dass das Futter wind- und regengeschützt steht, um Herunterfallen und Schimmel zu vermeiden. Auch eine regelmäßige Reinigung ist essenziell. Das verhindert die Ausbreitung von Krankheiten. 

Artgerechtes Vogelfutter selbst machen

Eine Körnermischung aus diesen Zutaten herstellen: geschälte Sonnenblumenkerne, Haferflocken und Schmelzflocken, Haferkörner, ungeschwefelte Rosinen (ggf. klein schneiden), kleine Obststücke (etwa Apfel oder Birne), Hirse, Hanf und Mohn sowie Mehlwürmer. Anschließend Kokosfett oder Butterschmalz in einem Topf erwärmen (nicht kochen) und etwas Sonnenblumenöl (ca. 1/5 der Fettmenge) hinzugeben. Nun die Körnermischung zufügen, bis eine formbare Masse entsteht. Diese in alte Tassen streichen und leicht festdrücken. Solange die Masse noch weich ist, einen Löffel mit dem Stil voran in die Masse drücken. Am besten gegenüber des Henkels etwas unterhalb der Mitte. Die Tasse kann dann am Henkel aufgehängt werden. Alternativ lässt sich die Masse auch zu Knödeln und Stangen oder mit größeren Keksausstechern oder Backformen gestalten. 

Meise in einer alten Kanne, die zum Futterspender umfunktioniert wurde

Auch alte Kannen und kleine Töpfe lassen sich zum Futterspender umfunktionieren (Foto: ivabalkPixabay).

Das Fett ist zum einen ein wichtiger Energielieferant und sorgt gleichzeitig dafür, dass das Futter vor Feuchtigkeit geschützt ist. Der Schuss Sonnenblumenöl hilft dabei, dass das Fett nach dem Aushärten nicht zu fest ist und von den Vögeln gepickt werden kann. Der Kreativität bei der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Nutzen Sie zum Beispiel Sammeltassen von früher, um einen hübschen Futterplatz zu gestalten. Diese und andere schöne Gefäße sind oft auf Flohmärkten in der Region zu finden. Wer den Futterplatz täglich reinigt, kann die Körner auch ohne Fett direkt auslegen. Wichtig ist hier jedoch, dass nass gewordene Körner entfernt werden, um Schimmel und Krankheiten zu vermeiden.

Hier kamen geschälte Sonnenblumenkerne, Hanfkörner, Haferflocken, Rosinen, Haferkleie und Kürbiskerne zum Einsatz, die mit Kokosfett und Sonnenblumenöl vermischt und in Tassen gefüllt wurden.

Schneebesen statt Meisenknödel

Wird das Futter zu Knödeln geformt, sollte auf die typische Netzhalterung verzichtet werden. In den feinen Fäden können sich die Füßchen der Vögel verheddern und zu schweren Verletzungen führen. Besser geeignet ist hier ein günstiges Gadget aus der Küche: Der Schneebesen. Zwischen den festen Metallbögen lassen sich die Knödel einfach verstauen und bieten Vögeln genug Halt, ohne zur Gefahr zu werden. Hängen Sie den gefüllten Schneebesen auf oder legen Sie ihn auf den Futterplatz. 

Tipp: Unbehandelte Saaten und Körner gibt es zum Beispiel in den Lebensmittelabteilungen der Drogeriemärkte oder in Reformhäusern. Kokosfett und Butterschmalz sind in Supermärkten und Discountern erhältlich. 

Carmen Kraneis, aisgebildete Fachberaterin

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