Mähroboter im (Klein)Garten: Große Gefahr für Igel

Mähroboter werden auch in den Kleingärten beliebter und versprechen eine große Arbeitserleichterung. Dass die Messer der autonom fahrenden Geräte eine Gefahr für Igel und andere Tiere darstellen, ist allerdings nicht immer bekannt. Viele Hersteller werben zwar damit, dass ihre Modelle Igel erkennen und nicht verletzten würden, doch wie zuverlässig ist diese “Igel-Erkennung” wirklich? (Foto: Maximilian Kunstwadl/Unsplash).
Mähroboter mit Igel-Schutz?
Mähroboter sind aus vielen Gärten nicht mehr wegzudenken und fahren oft rund um Uhr über Rasen und Wiesen. Doch was für den Gärtnernden eine Arbeitserleichterung darstellt, ist für viele Tiere eine Todesfalle. Denn die scharfen Messer nehmen im Zweifel alles mit, das im Weg steht. Auch Tiere und Insekten. Vor allem der Igel steht bereits im Fokus der Mähroboter-Anbieter, die mit speziellen Sensoren und Mechanismen zum Igel-Schutz werben. Die kleinen stacheligen Tierchen, die vor allem zur Dämmerung unterwegs sind, werden besonders häufig Opfer von Mährobotern und stehen bereits auf der Liste der potentiell gefährdeten Arten. Der Verlust von Lebensraum und Nahrungsquellen, der Einsatz von Pestiziden und Mähroboter setzen den kleinen Säugern zu.
Neueste Technik soll die gefährdeten Tiere zumindest vor den Messern der autonomen Rasenmäher schützen. Doch auch wenn die Anbieter mit allerlei Technik zum Igel-Schutz werben, in der Realität funktionieren diese nur bedingt zuverlässig. Untersucht haben das jüngst Forschende vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin, die sich seit 2022 mit typischen Schnittverletzungen bei Igeln beschäftigen. Und die gibt es häufig, trotz neuester Technik. Hunderte verletzte Tiere sind es jährlich, nur die Hälfte überlebt die Begegnung mit dem Rasenmäher. Das Problem: Igel sind keine Fluchttiere. Droht eine Gefahr, rollen sie sich zu einer Kugel zusammen und verharren an Ort und Stelle. Eine Form, die selbst die modernste Technik nicht zuverlässig als Hindernis erkennen kann. Nicht immer sterben Igel bei einer Begegnung mit einem Mähroboter sofort. Oft hinterlassen diese schwere Verletzungen, die erst später zum Tod führen. Zum Beispiel im Unterschlupf der Tiere, in den diese sich verletzt zurückgezogen haben. Die Dunkelziffer von durch Mähroboter verletzte oder getötete Tiere dürfte daher deutlich höher liegen als die Fundtiere vermuten lassen. Selbst kleinste Verletzungen, die sich entzünden, sind für Igel oft tödlich.

Igel rollen sich bei Gefahr zur Kugel zusammen (Foto: Maxime Gilbert/Unsplash).
Mähroboter erkennen Igel nicht zuverlässig
In einem Experiment haben die Forschenden fünf handelsübliche Mähroboter (Preissegment 900 Euro bis 3.000 Euro) in einem Versuchsfeld untersucht. Auf einer Rollrasenfläche von 3×6 Metern wurden präparierte Igelkadaver (Totfunde aus der Natur) sowie spezielle Igel-Dummys ausgelegt und die Mähroboter an ihre Aufgabe geschickt. Die Sicherheitsausstattungen unterschieden sich je nach Gerät. Über Stoßsensoren verfügten alle Modelle, drei nutzen zusätzlich Kameras, einer auch einen Laser und ein anderer Ultraschall on top. Technik, die Hindernisse sowie Haustiere, Kinder und Igel sicher erkennen soll.
Doch das Ergebnis ist ernüchternd. Während ein Modell alle Attrappen und Dummys schlicht überfuhr, reagierten andere Rasenmäher zumindest ab und zu auf die Versuchsobjekte. Doch selbst dann verschonten sie sie nicht immer und fuhren zum Beispiel seitlich über die Tiere hinweg. Im Test zeigte sich, dass die Mähroboter mit Kameras und Laser etwas zuverlässiger reagierten als die Geräte mit Ultraschall. Doch eine wirklich zuverlässige Igel-Erkennung konnte keines der untersuchten Modelle bieten. Trotz Igel-Schutz-Versprechen. Bislang gebe es keinen Mähroboter, der für Igel wirklich sicher sei, so die Forschenden am Ende des Experiments. Auch die Stiftung Warentest kam in einem Test mit acht aktuelle Mährobotern ohne Begrenzungsdraht zu dem Ergebnis, dass diese Igel-Attrappen nur unzureichend erkennen und häufig über sie hinweg fahren. Auch Kinderarme (ebenfalls als Atrappe) waren vor den Messern nicht sichern. Die Erkennung von Hindernissen fiel bei allen untersuchten Geräten unzureichend aus.

In höherem Gras oder während der Dämmerung und Nacht werden Igel häufig nicht erkannt (Foto: Irina Keda/Unsplash).
Igel beim Einsatz von Mährobotern schützen
Wer dennoch einen Mähroboter im Garten nutzen möchte, sollte ein paar Dinge beachten, um Igel und andere Tiere zu schützen. Am wichtigsten hierbei ist, dass die autonomen Rasenmäher nicht unbeaufsichtigt und nicht in den Dämmerungs- und Nachtstunden fahren. Denn Igel sind nachtaktiv und vor allem in der Dämmerung und Nacht auf Schnecken- und Insektenjagd. Die Sensoren der Roboter, die Igel tagsüber zumindest manchmal erkennen, sind nachts weniger effektiv. Hohes Gras kann die Tiere verdecken, Feuchtigkeit die Arbeit der Sensoren beeinflussen und Schatten Konturen und Objekte verändern. Kleinere Jungtiere und zusammengerollte Igel sind dann besonders gefährdet und werden übersehen oder von den Sensoren für Grashügel oder ähnliches gehalten.

Igel sind nachtaktiv und vor allem im Dunkeln unterwegs (Foto: Erik Karits/Unsplash)
Das in viele Städten ausgesprochene Nachtfahrverbot für Mähroboter soll dieser Gefahr begegnen und Igel und andere nachtaktive Tiere vor den Messern schützen. In Sachsen gilt das Nachtfahrverbot bereits in Chemnitz und Leipzig. In beiden Städten ist der Einsatz von Mährobotern ab einer halben Stunde vor Sonnenuntergang verboten. Dieses Verbot gilt die gesamte Nacht bis einschließlich eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Die in dieser Zeit besonders aktiven Igel sollen so geschützt werden. Andere Regionen, etwa der Landkreis Zwickau, haben das Nachtfahrverbot hingegen abgelehnt. Auch eine bundesweite Regelung gibt es bislang nicht.
In Zukunft soll eine “Igel-Siegel” helfen, Rasenroboter mit tatsächlichem Igel-Schutz im Handel zu erkennen. Dieses wird nach einem standardisierten Testverfahren vergeben, wenn die Roboter den Crashtest mit Igel-Dummys bestanden haben. Das soll die Hersteller dazu animieren, einen besseren Igel-Schutz zu gewährleisten und Gärtnernden helfen, die besten Geräte zu erkennen.
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