Invasive Neophyten: Kanadische Goldrute im Kleingarten angekommen

Die Kanadische Goldrute hat ihren Weg längst in viele Kleingärten gefunden wird immer mehr zu einem Problem für die Artenvielfalt und die Biodiversität. Die aus Nordamerika stammende Pflanze gilt zwar als mittlerweile etablierter Neophyt, sollte jedoch nicht als gegeben hingenommen werden. Mit verschiedenen Maßnahmen lässt sie sich gut bekämpfen und sollte vor allem in Kleingärten und auf den Gemeinschaftsflächen keine Chance zur Ausbreitung erhalten.
Kanadische Goldrute - die böse Stiefschwester der heimischen Goldrute
Im Sommer und Spätsommer ist sie auf brachliegenden Flächen, an Wald- und Wegrändern, auf wenig oder nicht gepflegten Gartenstücken und immer mehr auch in den Kleingärten zu finden: Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis). Die Pflanze stammt aus Nordamerika und Kanada und wird hierzulande immer mehr zu einem Problem. Denn während die Ausbreitung des invasiven Neophyts in dessen Heimat von mehr als 250 spezialisierten Fressfeinden und Krankheiten kontrolliert wird, darunter Schmetterlinge, Vögel, Käfer, Rinder, Schafe, Pferde und Hirsche, fehlen diese hierzulande fast gänzlich. Infolgedessen hat die Goldrute in Europa, Asien und anderen Teilen der Welt nahezu freies Spiel und breitet sich schnell und großflächig aus. Ursprünglich wurde sie Anfang des 17. Jahrhunderts als Zierpflanze nach Europa gebracht und war seit dem 19. Jahrhundert eine beliebte Staude in Parks und Gartenanlagen. Von dort breitete sie sich nach und nach wild aus und bevölkert seitdem Flächen, die ihr wenig entgegenzusetzen haben.
Markant für die Kanadische Goldrute ist die pyramidenartige Form der Blütenstände. Während sie in ihrer Heimat bei Insekten beliebt ist, können die Tiere anderswo wenig mit der Pflanze anfangen (Foto: Jeffrey Hamilton/Unsplash).
Der Einfluss der Kanadischen Goldrute auf die Artenvielfalt ist enorm. Zum einen besiedelt sie Flächen deutlich schneller als viele heimische Pflanzen, zum anderen breitet sie sich auch schnell und massiv aus. Dafür sind die Rhizome verantwortlich, an denen sich bis zu 300 Sprossen pro Quadratmeter bilden können, aber auch die bis zu 19.000 Samen pro Pflanze. Hinzukommt eine chemische Komponente in den Wurzeln, die das Wachstum anderer Pflanzen in der Umgebung hemmt. An den Standorten der Kanadischen Goldrute geht die Biodiversität stark zurück. Beobachtungen haben zum Beispiel ergeben, dass die Anzahl an Ameisen in Gebieten der Goldrute dezimiert ist, was wiederum direkten Einfluss auf die Anzahl bestimmter Schmetterlingsarten hat. Für diese sowie heimische Bienen und andere Insekten ist die Pflanze zwar ein Futterlieferant, allerdings von wenig Bedeutung. Die Blüten werden zwar angeflogen, allerdings eher aus der Not heraus, da kaum andere Nektarpflanzen vorhanden sind. Die Wertigkeit als Bienenweide ist außerhalb des natürlichen Lebensraums der Goldrute gering, auch wenn die Pflanze fälschlicherweise gern als “Insektenmagnet” bezeichnet wird. Insekten, Bienen und Co. profitieren von heimischen Wildblumen und artenreichen Beständen deutlich mehr.
Kanadische Goldrute vs. Heimische Goldrute
Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) wird gern mit der Gewöhnlichen Goldrute (Solidago virgaurea), dem hierzulande heimischen Vertreter der Pflanze, verwechselt. Dadurch gehen viele Gärtnernde nicht frühzeitig gegen die Staude vor und erlauben ihr die Ausbreitung im (Klein)Garten. Mit ein paar Kniffen lassen sich beide Arten jedoch gut voneinander unterscheiden. Denn die Kanadische Form wird mit bis zu 2 Metern (vereinzelt auch bis zu 2,5 Meter) deutlich höher als ihre heimische Schwester und beugt sich mit ihren üppigen Blütenständen in einem Bogen nach unten. Im Bereich der rispenartigen Blüten weist sie zudem eine samtartige Behaarung auf. Auch die Blattunterseiten sind leicht behaart. Wer sich die Blütenstände der Kanadischen Goldrute genauer ansieht, erkennt die pyramidenförmige Anordnung der Rispen an der Pflanze.
Die heimische Goldrute wird mit 30 bis 100 Zentimetern deutlich kleiner, wächst aufrecht und weist kaum Verzweigungen auf. Der Stängel ist unbehaart und die Blüten sind eher traubenartig und deutlich größer als bei der Kanadischen Goldrute. Neben der Kanadischen Form wird in manchen Gebieten auch die ebenfalls invasive Riesen-Goldrute (Solidago gigantea) ein Problem. Sie hat zwar ebenfalls unbehaarte Stängel, wird mit bis zu 2,5 Metern aber deutlich größer als die heimische Art. Erkennbar ist diese Variante an den meist rötlich gefärbten Stängeln und der bläulich-weißen Bereifung, die sich wachsartig anfühlt und abwischbar ist. Charakteristisch für die Riesen-Goldrute sind die ebenfalls üppigen Blüten, die eine pyramidenförmige Gesamtform der Blütenstände bilden.
Wird die Kanadische Goldrute (oder die Riesen-Goldrute) im Garten entdeckt, muss schnell gehandelt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Junge Pflanzen sollten sofort ausgerissen werden. Bei älteren Pflanzen empfiehlt es sich, die Stängel noch vor der Samenreife bodentief abzuschneiden und die Rhizome nach Möglichkeit umfangreich auszugraben. Wichtig: Alle Pflanzenteile müssen über den Restmüll entsorgt werden und gehören nicht auf den Kompost oder in die Biotonne. Am einfachsten funktionieren das Ausreißen und Ausgraben übrigens bei feuchter Witterung. Da die Goldrute aus kleinsten Rhizomteilen wieder austreiben kann, muss die Bekämpfung an etablierten Standorten mehrmals wiederholt werden. Ist eine Mahd möglich, können die Pflanzen auch mehrmals im Jahr abgemäht werden. Am besten immer dann, wenn sie eine Höhe von 20 Zentimetern erreichen. Wiederholt konsequent durchgeführt können diese Maßnahmen die Pflanzen so schwächen, dass sie irgendwann absterben und gänzlich verschwinden.
Allerdings sind alle Methoden zur Bekämpfung der invasiven Goldruten-Arten keine kurzfristigen Maßnahmen und müssen oft über mehrere Jahre konsequent durchgeführt werden. Zu beachten gilt, dass chemische Mittel und Herbizide im Kleingarten nicht erlaubt sind. Um eine erneute Ansiedelung zu verhindern, empfiehlt es sich, die Standorte mit konkurrenzstarken heimischen Pflanzen zu besetzen. Je nach Standort eignen sich hier Beinwell, Mädesüß, Wasserdost und Blutweiderich sowie Färber-Kamille oder Drüsige Kugeldistel.
Goldrute kaufen? Auf keinen Fall!
Der Handel hält – trotz des invasiven Verbreitungspotential – eine Vielzahl an Kanadischen Goldruten-Sorten zum Kaufen bereit. Diese sollten auf keinen Fall im Kleingarten angepflanzt werden, da auch hier ein starkes Verbreitungspotential besteht und die Aussamung auf Standorte außerhalb des Gartens begünstigt wird. Paradoxerweise weisen manche Anbieter auf diese Gefahr hin und raten zum Beispiel zu Maßnahmen wie Wurzelsperren oder das Verbrennen der Blütenstände vor der Samenreife Das Risiko ist also bekannt, wird jedoch gern kleingeredet. Die RKO Sachsen ist bei diesem Thema jedoch sehr eindeutig:
Aufgrund ihrer starken, nicht beherrschbaren Wuchskraft und ihres hohen Ausbreitungspotentials ist es auch nicht gestattet folgende Pflanzengattungen und -arten in der Kleingartenanlage zu kultivieren. Wildwuchs dieser Gattungen und Arten ist umgehend zu entfernen: [...] Kanadische- und Riesengoldrute (Solidago canadensis und gigantea).
Rahmenkleingartenordnung Sachsen, Anlage 2 Link zur RKO
Um der Goldrute im (Klein)Garten keinen attraktiven Platz zum Wachsen anzubieten, sollten brachliegende Flächen oder offene Böden vermieden werden. Zum Beispiel durch das Ausbringen von Mulchmaterial oder das Einsäen von Gründüngung. Frische Beetflächen, die längere Zeit brach liegen, sind besonders anfällig. Kleingärtner sollten also darauf achten, dass diese nicht zu lange leer bleiben. Kurzfristig kann hier eine lichtundurchlässige Abdeckfolie helfen. Empfehlenswert ist jedoch die naturnahe Bewirtschaftung, in der darauf geachtet wird, den Boden bedeckt zu halten und offenliegende Angriffsflächen zu vermeiden.
Darauf achten:
✔ Pflanze eindeutig bestimmen
bis zu 2,5 m hohe verzweigte Pflanze, mit samtig behaarten Stängeln und großen, rispenartigen Blüten, die sich nach unten neigen
✔ Kleine Bestände frühzeitig entfernen
- jeglichen Austrieb sofort ausreißen oder ausgraben
- Blüten nicht bis zur Samenreife wachsen lassen
✔ Schnittgut korrekt entsorgen
- niemals auf den Kompost!
- in verschlossenen Säcken über den Restmüll oder bei der kommunalen Entsorgungsstelle abgeben
✔ Flächen gut beobachten & wiederholt entfernen
- Neuaustriebe regelmäßig entfernen
- größere Flächen regelmäßig mähen, wenn die Triebe 20 cm Höhe erreichen
- so lange wiederholen, bis die Pflanzen verlässlich bekämpft wurden
✔ Alternativen pflanzen
- empfohlen: Beinwell, Wasserdost, Mädesüß, Blutweiderich
Das vermeiden:
✖ Invasive Goldruten im Kleingarten wachsen lassen
einmal angekommen verbreitet sich die Pflanze massiv, verdrängt heimische Arten und schädigt die Artenvielfalt
✖ Pflanze nicht auf dem Kompost entsorgen
die Rhizome und Samen können sich weiterverbreiten
✖ Nicht anpflanzen
obwohl es die Pflanze im Handel zu kaufen gibt, ist das Anpflanzen im Kleingarten verboten
✖ Keine Pflanzenteile in die Natur bringen
Aussetzen oder “Entsorgen” im Wald/Brachflächen ist verboten und kann zu einer Verbreitung führen.
✖ Keine chemischen Mittel im Kleingarten
- nicht auf den Parzellen erlaubt
- keine wirksamen Mittel für Privatanwender verfügbar
- bei starkem Befall professionelle Hilfe in Anspruch nehmen
Carmen Kraneis, ausgebildete Fachberaterin
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