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Luises altes Gartenwissen: Misterde als Dünger im Gartenbeet

in Gartenpraxis, Luises altes Gartenwissen

Das Internet ist voll mit Tipps und Tricks, die schon die Urgroßeltern heutiger Gärtnerinnen und Gärtner kannten. Altes Gartenwissen ist immer aktuell. Dabei ist es relativ, was als alt verstanden wird. Wer in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geboren wurde, kann heute mindestens selbst schon Oma oder Opa sein. Gemüsesorten aus den 1950er Jahren gelten heute als „Alte Sorten“ und ich bin ein Birnbaum, die „Gute Luise“ und stehe seit über 120 Jahren in einem kleinen Garten. Ich habe in dieser Zeit so einige Gartenmoden kommen und gehen sehen.

Mist im Garten nutzen

Als ich noch ein junges Bäumchen war, hatten die Gärten oft einen höheren Stellenwert für die Ernährung der Gärtnerinnen und Gärtner und deren Familien als heute. Aber eben deshalb wurden Kenntnisse und praktische Erfahrungen im Obst- und Gemüsebau von Generation zu Generation weitergegeben.

Schon 1908 galt für Gartenanfänger der Spruch: Wer etwas von Misterde versteht, ist schon ein halber Gärtner. Misterde wurde dabei wie folgt beschrieben: Es ist eine mürbe, gleichmäßig feuchte, lockere, dunkle, bröckelige Masse, die sich samtartig, milde und weich anfühlt. Die Basis von Misterde war, wie der Name schon vermuten lässt verrottender Mist von Pferden, Kühen, Ziegen oder anderen pflanzenfressenden Säugetieren. Gute Gartenerde, das wusste man schon damals, ist das Ergebnis beharrlich fortgesetzter Arbeit mit Kompost, Mist und viel Geduld.

Zuallererst sollte jedoch jede Gärtnerin und jeder Gärtner prüfen, ob der vorhandene Gartenboden überhaupt einer zusätzlichen Gabe von Mist bedarf, oder ob es schon mit traditionellem Kompost getan ist. Vor allem dort, wo über Jahre hinweg mineralische Dünger oder regelmäßig große Mengen Mist eingearbeitet wurden, kann es zu einer Überdüngung kommen, die den Kulturpflanzen schaden kann. Ist der Gartenboden aber zum Beispiel durch intensiven Anbau von Starkzehrern ausgelaugt, dann ist es Zeit zu handeln.

Ich bin Luise Birnbaum, 120 Jahre alt und fast ebenso lange schon mit dem Garten verbunden. Die Natur hat mir über die Jahrzehnte mehr beigebracht, als ein Buch es je könnte. Ich habe gelernt, dem Wind zu lauschen, dem Boden zu vertrauen und den richtigen Moment nicht zu übersehen. In jeder Ausgabe erzähle ich ein Stück meines Wissens weiter – von alten Bräuchen, einfachen Tricks und der stillen Sprache der Pflanzen. Nicht alles davon ist wissenschaftlich, aber vieles ist wahr.

Luise Birnbaum

Kompost und Düngung für Gartenpflanzen

Anders als die Gärtner im 20. Jahrhundert haben Gärtnerinnen und Gärtner heute freilich die bequeme Möglichkeit, Säcke mit pelletiertem Kuhmist oder Pferdemist zu erwerben und direkt in die Beete einzuarbeiten. Wer es mit der traditionellen Methode versuchen will, kommt um eine Kompostierung des frischen Mistes nicht herum. Mist, besonders Pferdemist verdirbt, wenn er zu lange auf einem Haufen liegt. Das Innere des Haufens beginnt zunächst zu schimmeln und verbrennt dann zu Asche. Je höher die Temperaturen sind, die von außen auf einen Mist einwirken, desto schneller verdirbt ein achtlos hingeworfener Misthaufen. Deshalb sollte der Mist immer gut vermischt mit anderen organischen Abfällen zur Kompostrotte aufgesetzt und stets feucht gehalten werden. Als Abschluss wird immer eine Erddecke auf so einen Mistkomposthaufen gelegt. Sie schützt die wertvollen Inhaltsstoffe vor Austrocknung und Erosion. Sollen neue Kompostbestandteile hinzugefügt werden, nimmt man die Erdschicht vorsichtig ab und legt sie danach wieder auf den Kompost.

Bei sehr schweren, lehmig-tonigen Böden kann der Düngemist auch ohne vorherige Rotte direkt eingearbeitet werden, weil durch die Zersetzung des Düngers im Boden die Bodenstruktur verbessert wird. Doch allgemein sollte ein Mistkompost sechs bis acht Wochen in einem gut durchfeuchteten Haufen liegen, um den notwendigen Verrottungsgrad zu erreichen. Das gilt vor allem für die Mistdüngung im Frühjahr und Sommer, um Fäule an den Gartenfrüchten durch zu scharfen Mist zu vermeiden. Im Herbst kann der ausgebrachte Mist frischer sein. Die scharfen Bestandteile des Mistes können so über den Winter abgebaut werden. Einzige Ausnahme bilden hierbei die Beete mit Winterkulturen wie zum Beispiel Grünkohl oder Rosenkohl oder Dauerkulturen wie Spargel oder Rhabarber.

Allgemein gilt es, auch nach der Düngung mit Mist die Beete feucht zu halten, denn in trockenem Boden kann Mist, insbesondere Pferdemist zu weiterer Austrocknung führen und Schaden anrichten. Am gesündesten stehen die Kulturen da, wo in jedem Jahr planmäßig gedüngt und der Kompost mit dem Erdreich zu einer einheitlichen Masse vermengt wird.

Eines hat sich seit jenen Tagen jedoch noch geändert: Heute werden Pferdekoppeln und manchmal auch Rinderweiden mit Herbiziden gegen das Jakobsgreiskraut behandelt, weil das Kraut für Pferde und Rinder giftig ist. Das Herbizid ist für die Tiere ungefährlich und wird mit dem Mist wieder ausgeschieden. Verwendet ein Gärtner solchen, kontaminierten Mist, kann das darin enthaltene Herbizid den Gartenkulturen schaden.

Eure alte Freundin,
Luise Birnbaum

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*Das Bild von Luise Birnbaum wurde mithilfe einer KI generiert.

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