Abschied von der Rhabarber-Saison: Tipps für eine reiche Ernte und gesunde Pflanzen


Rhabarber mit Namensschild

Liebe Gartenfreunde,

Wenn der Rhabarber wieder blüht… In jedem Fall sollte die verblühte Rispe entfernt werden, da Samenbildung zu viel Kraft raubt. Bei einer großen, starken Pflanze kann von 3 Blütenrispen durchaus eine bis zum Abblühen stehen bleiben, ohne dass es den Ertrag schmälert. Er ist eine wichtige Pollenquelle für Rosenkäfer, deren Larven wiederum kleine Kompostbeschleuniger sind. Ist der Rhabarber jedoch schwächlich und sehr jung, muss unbedingt die Knospe ausgebrochen werden.

Rhabarber im Staudenbeet

Ich habe eine kräftige Rhabarberstaude und kann daher den Rhabarber blühen lassen. Bis zu 3 Blütenstände lasse ich zu, um den Rosenkäfern diese Nahrungsquelle zu lassen. Ist sie abgeblüht, entferne ich die Blütenrispen und lege die Pflanzenreste unter den Rhabarber zwecks Nährstoff-Rückführung (Mini-Kreislaufwirtschaft ^.^) oder nutze die Blätter zum Abdecken der Hochbeete nach der Aussaat bis zum Aufkeimen in Trockenperioden oder auf den Kompost, um die Feuchtigkeit zu halten.

Wir hatten einen kleinen Rhabarber im Staudenbeet des Projektgartens belassen. Ein echter Dorn im Auge, wenn man Blumen und Gemüse strikt getrennt sehen will. (^.^!) Es spricht aber nichts dagegen, einen kleinen Rhabarber als Staude stehenzulassen. Er benötigt dort kein zusätzliches Wasser (wenn man nicht auf Ertrag aus ist), blüht schön und wenn man die alten Blätter entfernt, hat man lange eine schöne grüne Pflanze. Stehen daneben z.B. Herbstastern verdecken diese die abwelkenden Blätter im Spätsommer/Herbst mit ihren Blüten. Somit kann Rhabarber ohne weiteres in ein Staudenbeet integriert werden. Bevor jemand also lieber den Rhabarber entsorgen will, weil man ihn nicht mag, kann man ihn einfach stehen und blühen lassen. So lockt man Rosenkäfer als kleinen Helfer für den Kompost an, denn Rosenkäfer-Larven sind ein natürlicher Kompostbeschleuniger.


Rhabarber-Pflanze im Garten

Rhabarber im Kleingarten zeigt oft große ausladende Blätter (Foto: Di Reynolds/Pixabay).

Vielfältiger Helfer im Kleingarten

Bei der Berechnung der Anbaufläche wird die Größe der Rhabarberpflanze zum Gemüse dazu gerechnet, egal ob sie im Stauden oder Gemüsebeet steht. Es ist nicht so, dass ein Gemüsebeet oder Hochbeet nicht mehr als Anbaufläche gezählt wird, wenn eine Blumenstaude darinsteht. Diese wird lediglich rausgerechnet, wenn sie einen nennenswerten Platz einnimmt.  Blumen dürfen zwischen Gemüse gepflanzt werden. Sie können dort von Nutzen sein. Zum Beispiel: Anlocken von Nützlingen, Schädlingsabwehr, Verbesserung des Bodens (Z.B. gegen Nematoden an Kartoffeln und Möhren – Studentenblumen, Ringelblume), Nutzung als Dünger in Form von Jauche oder Tee, natürlicher Kompostbeschleuniger, Mulchmaterial usw. (Schafgarbe und Rainfarn helfen gut gegen weiße Fliegen. Die Blätter können gerupft und um den Kohl herum liegen gelassen werden.) Aus einigen Pflanzen lassen sich zudem natürliche Spritzmittel herstellen.

Es ist möglich zwischen Gemüsepflanzen auch kleine Blumenarten zu sähen bzw. zu pflanzen. Zum Beispiel Jungfer im Grünen, Borretsch und Phacelia. Zwischen den Kulturpflanzen ist dafür besonders anfangs genug Platz (dabei empfohlene Pflanzabstände des Gemüses beachten). Während des Wachstums sollte dem Gemüse immer Platz gemacht werden. Es wird dann trotzdem als Gemüsebeet gewertet, da der überwiegende Teil Gemüse ist. Eine Zwischenpflanzung kann eine Austrocknung des Bodens verhindern. Wird diese mit der Zeit zu dicht, muss vor der Rückkehr zum Gemüse wieder Platz geschaffen werden. Dabei kann das entfernte Pflanzenmaterial gleich als Mulch genutzt werden. Einige Gemüsearten werden im Wachstum gehemmt und die Reife verzögert, wenn es zu dicht ist. Bei Zwiebeln kann es zum Beispiel zu längeren Wachstumsstörungen kommen. Dann wird der Ertrag geschmälert. Dort also immer genug Platz lassen. Zwischenpflanzungen sollten nie kräftiger sein als das nebenstehende Gemüse.


Rosenkäfer in Rhabarber-Blüte

Rosenkäfer lieben Rhabarberblüten (Foto Jürgen jggrz/Pixabay).

Man kann den Platz zwischen Gemüse auch zum Vorziehen für Blumen nutzen. Ein Beispiel: Im Frühling säte ich Spinat. Zwischen zwei Reihen hatte ich Löwenmäulchen gesät. Wenn der Spinat im Mai geerntet ist, wird das Löwenmäulchen langsam groß genug in Staudenbeete/Balkon verpflanzt zu werden oder zum Verschenken. (^.^). Vielleicht kennt ihr jemanden der einen Balkon hat und sich darüber freut. Nun war immer noch Zeit, um im Mai oder Juni eine zweite Kultur anzulegen. Zum Beispiel Zuckererbsen. Wenn diese nach 8-10 Wochen geerntet werden können, ist immer noch Zeit für eine dritte  Kultur. Etwa Zucchini oder die übrig gebliebenen Tomatenpflänzchen. (^.^).

Zucchini sind Starkzehrer. Sie reagieren auf übermäßiger Düngung verblüffender Weise mit geringeren Erträgen. Das liegt daran, dass die Pflanze mehr Kraft in die Blätter steckt. Ich bevorzuge daher Kompost.

Aber zurück zum Rhabarber

Warum soll nach dem 24. Juni (Richtwert) nicht mehr geerntet werden?

  1. Anstieg des Oxalsäuregehaltes – Medizinische Erklärung: Oxalsäure bindet Calcium, Eisen und Magnesium, sodass es für den Körper nicht verfügbar ist. Oxalsäure wird über die Nieren ausgeschieden (Gefahr von Bildung von Nierensteinen)
  2. Die Staude benötigt Regenerationszeit. Über die Blätter werden im Herbst die gespeicherten Nährstoffe in der Wurzel eingelagert, für einen kräftigen Austrieb im Folgejahr.

Ist die Blüte ein Zeichen dafür, dass man den Rhabarber nicht mehr essen sollte?

Nein. Die Blüte wird durch Temperaturreize ausgelöst. Es besteht kein Zusammenhang zwischen Oxalsäurebildung und Blüte. Die Blüte ist essbar. Zubereitung wie Brokkoli oder gewürzt und frittiert. Sie behält aber die leicht säuerliche Note. Geeignet auch als Deko auf Nahrungsmitteln.

Wie pflege ich einen Rhabarber?

Beim Gießen darf keine Staunässe auftreten. Das kann bei lehmigem Boden passieren. Es macht dann Sinn etwas groben Sand einzuarbeiten. Dabei keinen eisenhaltigen Sand verwenden (gelber Sand). Besser geeignet ist Quarzsand (hell, beige-weißer Sand).

  • Probe, ob es ein lehmiger Boden ist: Bleistiftdicke Rolle aus der Erde formen. Wenn sie nicht zerfällt und erst beim Biegen bricht/zerbröselt, dann ist es Lehmboden.
  • Lehmboden erwärmt sich im Frühling langsamer. Daher treibt Rhabarber dort auch später aus. Eine Verfrühung ist ab Mitte/Ende Februar möglich:  Winterschutz entfernen, hohes lichtdichtes Gefäß überstülpen und mit einem Stein beschweren. Vorteil: Der Rhabarber wird milder im Geschmack und behält mehr rosa Farbstoffe in der Schale, die aber hitzeempfindlich ist. (hübsch bei Marmelade). Zitrone verhindert Verbräunung.
  • Mulchen, aber bitte nicht direkt an der Staude, denn es kann zu Fäulnis kommen.
  • Vorsichtig Düngen. Obwohl Rhabarber ein Starkzehrer ist, schädigt man die Staude nachhaltig durch Überdüngung. Symptome: Welke-Erscheinungen, Wachstumsstörungen, braune Spitzen und Ränder. Die Staude wirkt kränklich und bringt keinen Ertrag.


Rhabarber-Stangen

Rhabarber kann zu zahlreichen leckeren Gerichten zubereitet werden (Foto: Maximilan Zahn/Unsplash).


Rhabarber-Kuchen

Der Klassiker unter den Rhabarbergerichten: Rhabarberkuchen mit Baiser (Foto: Marlene Krohn/Pixabay).

Tipps für einen guten Ertrag

Ich bevorzuge Kompost und mulche mit gejätetem Undkraut und gelegentlich Grünschnitt. So wird es gleichzeitig ein beliebtes und sicheres Plätzchen für Erdkröten.

  1. Düngung: Ende Februar/Anfang März
  2. Düngung: Nach der Ernte (Juni/Juli)

Nach 7-10 Jahren (je nach Zustand) kann der Rhabarber verjüngt/geteilt werden und sollte dabei umgesetzt werden. (wegen Bodenmüdigkeit, die entsteht, wenn eine Pflanzenart am selben Fleck steht und regelmäßig beerntet bzw. beschnitten wird. Der Boden wird sozusagen ausgezehrt.  Passiert auch, wenn viel Pflanzenmaterial aus den Gärten weggeschafft wird).

Im Sommer (Trockenperioden) gießen. Selten gießen (Fäulnisgefahr) aber dann so viel, dass es die Tiefen Wurzeln erreicht. Man spricht dann auch von „durchdringendem Gießen“. Das kräftigt die Pflanze, da sie in Trockenzeiten trotzdem die Blattmasse vergrößert, was förderlich ist für den Ertrag im nächsten Jahr.

Kann man Fehler bei der Ernte machen?

Ja. Bitte die Stängel nicht mit dem Messer abschneiden. Fäulnisgefahr. Unten an der Basis am Stängel anfassen und mit leichten Dreh- und Zugbewegung und mit einem Ruck entfernen. Es dürfen nicht zu viele Stängel entnommen werden. Bei kräftigen älteren Stauden nicht mehr als 1/3.

Warum ein Rhabarber klein bleibt und dünne Stängel hat:

  • Sortenabhängig (Erdbeer-Rhabarber u.a.)
  • Zu starke Beerntung im vergangenen Jahr
  • Trockenstress in der Wachstumszeit und Sommer
  • Fehlende Kompostgabe
  • Bodenmüdigkeit, zu lange am selben Standort (Standortwechsel notwendig – Zeitpunkt für Teilung (Verjüngung) und Ortswechsel im September-Oktober. Da wurden die Reservestoffe für den Austrieb im nächsten Jahr schon in der Wurzel eingelagert).

Rhabarberblätter für Pflanzenschutzmittel:

250 g zerkleinerte Blätter mit 1,5 l heißen Wasser überbrühen, abdecken, ziehen lassen, abkühlen, abseihen, fertig. Unverdünnt gegen schwarze Bohnenlaus, Läuse an Kirschen und gegen Lauchmotten.

Vorbereitung für den Winter:

Die welkenden Blätter stehen lassen, um maximale Einlagerung von Reservestoffen zu ermöglichen.  Gern mit verholztem Reisig abdecken. Im Frühling alles entfernen, wenn der Austrieb gestartet hat. 

Liebe Grüße und eine erfolgreiche Rhabarberernte.

Katja Gottwald, Fachberaterin in ständiger Entwicklung
Titelbild: KIAnke/Pixabay

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