Brombeerruten mit Überraschungsgästen: Ein kleines Abenteuer im eigenen Garten

Wer sagt eigentlich, dass der Winter eine gartenfreie Zeit sein muss? Bei mir jedenfalls nicht. Nachdem ich im November 2025 an einer Online‑Veranstaltung zum Thema “Nisthilfen für Wildbienen im Garten” vom LSK teilgenommen hatte, war klar: Ich brauche markhaltige Pflanzenstängel. Und zwar viele (Foto: andrealeni/Pixabay)
Brombeerruten als Nisthilfe für Bienen
Also zog ich los – bewaffnet mit Handschuhen, guter Laune und einer gewissen Sammelleidenschaft – und trug vertrocknete Brombeerruten zusammen, als würde ich ein geheimes Baumaterial für ein winziges Naturhotel horten. Im Frühjahr war es dann so weit: Die Ruten wanderten in einen Tontopf mit Loch (damit Wasser die Ruten nicht zum faulen bringt), stilecht und funktional, und bekamen einen regensicheren Platz in der Vollsonne. Ein Standort, der in jeder Wildbienen‑Immobilienanzeige vermutlich als „lichtdurchflutet, ruhig, mit guter Verkehrsanbindung zu Blüten“ beschrieben würde.
Und nun – Trommelwirbel – zeigen sich die ersten Spuren: kleine, sauber angebohrte Löcher im Pflanzenmark. Ein eindeutiges Zeichen, dass jemand eingezogen ist. Wer genau? Das ist noch das große Rätsel. Vielleicht eine Mauerbiene, vielleicht eine Maskenbiene, vielleicht ein anderer kleiner Gartenbewohner, der sich dachte: „Ach, das sieht gemütlich aus, da bleib ich.“



Ich ertappe mich inzwischen regelmäßig dabei, wie ich mit einer Tasse Kaffee vor dem Tontopf stehe und gespannt warte, ob der Verursacher sich zeigt. Ein bisschen fühle ich mich wie der Concierge eines sehr exklusiven Mikro‑Hotels, der hofft, seine Gäste einmal persönlich zu Gesicht zu bekommen. Egal, wer am Ende dort wohnt – willkommen sind sie alle. Hauptsache, das Brombeer‑Domizil wird genutzt und bringt ein Stück Naturwunder in den Gartenalltag.
Fazit:
Mit ein paar vertrockneten Brombeerruten, einem Tontopf und etwas Geduld lässt sich ein kleines, charmantes Wildbienenprojekt starten. Und manchmal ist die größte Freude die Spannung, wer am Ende einzieht.
Steffen Selter, Gartenfachberater im KGV-Osthoehe e.V. in Leipzig
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