Unser Kleingarten

Karo-Tina Aldente: Kalte Suppe, Pierre und die Goldrute

in Gartenpraxis, Karo-Tina
Gurkensuppe

Unser Gartenfachberater, den alle nur Pierre nennen, weil er ein bisschen so aussieht wie der französische Schauspieler Pierre Richard, hat einen ziemlich trockenen, manchmal auch derben Humor. Als Beispiel mag folgende Anekdote dienen:

Karo-Tina Aldente & Pierre

Vor einigen Jahren kam eine neue Gartenfreundin an Pierres Gartenzaun. Sie wollte ihn um Rat bitten, aber nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Also beschloss sie zunächst etwas Smalltalk zu machen. „Hallo“, sagte sie, „ich bin die neue Gärtnerin XY aus dem Nachbarweg. Sind sie hier der Gartenfachberater?“ Pierre, der grade dabei war seine Kohlpflanzen mit den ausgegeizten Spitzen der Tomaten zu mulchen, richtete sich auf und nickte. „Sie mögen wohl Kohl?“, fragte die neue Gartenfreundin. „Nein“, antwortete Pierre, „ich furze nur gern.“

Welchen Rat die Gartenfreundin damals brauchte, ist nicht überliefert. Aber es soll mit dieser kleinen Begebenheit auch nicht der Eindruck entstehen, dass Pierre ein schwer zugänglicher Kauz ist. Wie jeder ordentliche Gartenfachberater inspiziert er in regelmäßigen Abständen die Parzellen in unserer Kleingartenanlage, wacht über den ausreichenden Anbau von Obst und Gemüse und gibt hier und da auch ungefragt Ratschläge. Menschen, die ungefragt Ratschläge geben, machen sich damit oft nicht sehr beliebt. Ich aber finde, dass alle Kleingärtnerinnen und Kleingärtner im Falle von Gartenfachberaterinnen und Gartenfachberatern mal eine Ausnahme machen sollten. Denn meist sind die Hinweise ja darauf gerichtet, Fehler zu vermeiden oder bereits begangene Fehler zu korrigieren. Heute steht Pierre an meinem Gartenzaun und tritt von einem Fuß auf den anderen. „Karo“, „sagt er, „deine Insektenwiese gefällt mir sehr gut.“

Kalte Suppe für heiße Sommertage

„Ja, nicht?“ Ich strahle ihn mit meinem schönsten Lächeln an.

„Aber“, spricht Pierre weiter und versucht eine strenge Miene aufzusetzen, „die Kanadische Goldrute, das Berufkraut und die Seidenpflanze machst du doch bestimmt noch raus und sorgst dafür, dass diese invasiven Neophyten nicht weiter in deinem, alles in allem doch recht schönen Garten wachsen.“

Ich überlege kurz, ob ich Pierre ein wenig auf den Arm nehme und mit ihm eine der üblichen Diskussionen anfange à la: Diese Pflanzen sind alle von meinen Nachbarn zu mir herübergewachsen. Doch es ist heiß an diesem Sommertag und ich sage nur: „Wird gemacht Chef.“ Offensichtlich irritiert von so wenig Diskussion und Gegenwehr bleibt Pierre an meinem Zaun stehen und lässt seine Blicke weiter schweifen.

„Darf ich dich auf eine Schale kalte Suppe einladen?“ Ich zeige auf meine Gartenpforte.

„Na das lass ich mich doch nicht zweimal fragen“, grinst Pierre und betritt meine Parzelle. Wir setzen uns an meinen Gartentisch unter meinem alten Pflaumenbaum. Ich krame zwei Thermoskannen, zwei Gläser, zwei Schüsseln und zwei Löffel aus meinem Picknickkorb. Aus der ersten Thermoskanne gieße ich eisgekühlte Kräuterlimonade in die Gläser. Mit dem Inhalt der zweiten Thermoskanne fülle ich die Schüsseln.

Heimische Wildblumen helfen Insekten und kleinen Tieren (Foto: Annie Spratt/Unsplash).

Pierre schaut misstrauisch auf die kalte, grüne Suppe und fragt: „Du wirst mich doch nicht vergiften?“

Ich schlürfe genüsslich den ersten Löffel aus meiner Schale. Auch Pierre nippt und schmatzt demonstrativ. „Mhm“, brummt er, „was ist da alles drin?“

Ich hatte am Vortag 150 Gramm Kartoffeln geschält, gegart und gewürfelt, zwei Frühlingszwiebeln in feine Ringe geschnitten. Zwei Salatgurken geschält, halbiert und entkernt und die eine Gurke fein und die andere grob gewürfelt. Mit 150 Millilitern Sojajoghurt und etwas Wassereis wird nun die grob gewürfelte Gurke, die 150 Gramm Kartoffeln, Frühlingszwiebelringe, 150 Gramm entsteinte, grüne Oliven und eine Handvoll gewaschene Kresse püriert. Dann wird eine weitere Handvoll gewaschene Kresse und die fein gewürfelte Gurke untergehoben und mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Danach wird alles bis zum Verzehr kaltgestellt.

Ich schiebe Pierre ein Kümmelbrötchen hin. „Hier“, sage ich, „in der Suppe sind Zwiebeln und Kümmel ist gut gegen Blähungen.“

Pierre grinst, beißt in das Kümmelgebäck und ich glaube zu wissen, was er dabei dachte.

Karo-Tina Aldente

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Zutaten: Kalte Suppe mit Oliven

  • 150 g Kartoffeln
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 2 Salatgurken
  • 150 ml Sojajoghurt
  • etwas Eis
  • 150 g entsteinte grüne Oliven
  • 2 Handvoll Kresse
  • Zitronensaft
  • Salz und Pfeffer
Kresse

Foto: Monika Grabkowska/Unspkash

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