Invasive Neophyten: Beifuß-Ambrosie mit starker allergener Wirkung

Die Beifuß-Ambrosie, auch Beifußblättriges Traubenkraut genannt, ist kein klassischer Neophyt, der durch ein starkes, andere Pflanzen vertreibendes Wachstum auffällt. Allerdings bringt die Pflanze eine ganz andere Problematik mit sich und stellt vor allem für Allergiker eine große Gefahr dar. Denn die Pollen der Ambrosie gehören zu den aggressivsten Allergenen der Pflanzenwelt und können schwere allergische Reaktionen auslösen. Selbst dann, wenn gegen andere Blütenpollen ansonsten keine oder nur geringe Allergien bestehen. Taucht die Beifuß-Ambrosie im Kleingarten auf, sollte Sie daher konsequent entfernt werden.
Beifuß-Ambrosie breitet sich immer stärker aus
Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) ist seit einigen Jahren verstärkt an Wegrändern und auf brachliegenden Flächen zu finden. Die Pflanze wird bis zu 1,80 Meter hoch und wächst krautig und stark verzweigt. Bei älteren Pflanzen ist oft ein buschiger, strauchartiger Wuchs erkennbar. Die Stängel sind im oberen Bereich rau behaart und rötlich überlaufen, die Blätter doppelt gefiedert und wechselständig angeordnet. Sie erinnern an die Blätter des Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris) – diese Ähnlichkeit gab der Ambrosie auch ihren Namen. Doch obwohl der Gemeine Beifuß und die Beifuß-Ambrosie aus der gleichen Pflanzenfamilie stammen, gehören sie unterschiedlichen Gattungen an. Leicht unterscheiden lassen sich die beiden Arten durch einen Blick auf die Blatt-Unterseite. Weißt diese eine weiße, filzartige Behaarung auf, handelt es sich um den echten Beifuß. Fehlt diese Behaarung und die Blattunterseite ist ebenso grün wie die Blattoberseite, hat man es mit der Ambrosie zu tun. Auch der Geruch kann helfen, die beiden Pflanzen zu unterscheiden. Während Beifuß den typischen aromatisch-würzigen Geruch aufweist, riecht die Ambrosie eher krautig-neutral bis leicht unangenehm.
Die Beifuß-Ambrosie blüht im Spätsommer und Herbst, bei milden Temperaturen bis in den November hinein (Foto: Goran Horvat/Pixabay).
Ursprünglich stammt die Beifuß-Ambrosie aus Nordamerika und ist in den USA und Kanada eine weit verbreitete Pflanze. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts hat sie eher unbeabsichtigt den Weg nach Europa gefunden. Wahrscheinlich als zufällige Beimischungen in Saatgut oder in an importierten Waren klebenden Erdresten. Allerdings blieb die Ausbreitung zu dieser Zeit auf einzelne Pflanzen beschränkt. Eine große Verbreitungswelle fand erst nach dem Zweiten Weltkrieg statt, als zahlreiche Getreide- und Saatgutlieferungen zur Aufbauhilfe aus den USA in Europa eintrafen. Diese waren oft mir Ambrosia-Samen kontaminiert und gaben der Pflanze die Möglichkeit, sich großflächig in Europa zu verbreiten. Heute gilt die Beifuß-Ambrosie in nahezu allen Ländern außerhalb Nordamerikas als unerwünschter Neophyt und wurde bis in die 2000er-Jahre hinein vor allem durch kontaminiertes Vogelfutter verbreitet. Heute kommt es seltener vor, dass Vogelfutter auch Ambrosia-Samen enthält, dennoch sollten Vogelfütterungsplätze regelmäßig auf ein Aufkeimen der Pflanzen kontrolliert werden. Noch 2007 entdeckte ÖKOTEST bei einer Untersuchung in 15 von insgesamt 18 getesteten Vogelfuttermischungen Ambrosia-Samen.
Ambrosia mit starken Allergenen
Obwohl die Beifuß-Ambrosie nicht zu den klassischen stark wuchernden Neophyten wie die Kanadische Goldrute oder der Japanische Staudenknöterich gehört, kann sie sich schnell und nachhaltig etablieren. Denn die wärmeliebenden Samen keimen im Frühjahr zwar eher unauffällig, legen im Hochsommer jedoch einen wahren Wachstumsspurt hin. Dadurch kann die Pflanze im Juli und August mehrere Zentimeter pro Tag zulegen. Das größere Problem ist jedoch die massive Samenproduktion der Ambrosie. Bis zu 60.000 Samen kann eine einzelne Pflanze ausbilden, vereinzelt sogar bis zu 100.000 Samen. Diese sind zwar eher schwer und dadurch nicht gut durch den Wind verbreitbar, können jedoch als Anhaftungen an Schuhen, Gartengeräten oder durch Erdbewegungen und Gartenarbeiten weitergetragen werden. Hauptsächlich für die Verbreitung verantwortlich ist der Mensch. Kontaminiertes Vogelfutter, Landmaschinen, Erdbewegungen, Baumaterial, Mähmaschinen, Beimischungen im Saatgut – die Liste der möglichen Verbreitungswege ist lang. Einmal im Boden können die Samen dort bis zu 40 Jahre überdauern und jederzeit auskeimen, sobald sie nach oben geraten und Sonnenlicht ausgesetzt sind. Trockenheit und Hitze machen der Ambrosie nicht viel aus und selbst nach großflächigen Mäharbeiten treibt die Pflanze oft rasch wieder aus.
Problematisch ist die Beifuß-Ambrosie jedoch nicht vorrangig durch ihr Wachstum und ihre Ausbreitung, sondern aufgrund ihrer Pollen. Diese zählen zu den aggressivsten Allergenen der Pflanzenwelt und sind nicht nur für Menschen mit bekannter Pollenallergie gefährlich. Während heimische Gräser in der Regel eine Pollenmenge von etwa 50 Körnern pro Kubikmeter Luft benötigen, um bei allergischen Menschen eine Reaktion auszulösen, sind hierfür bei der Ambrosie nur 5 bis 10 Pollenkörner nötig. Bereits kleinste Mengen in der Luft können zu heftigen Allergien führen. Und das nicht nur bei Menschen, bei denen bereits Allergien bekannt sind. Durch eine biologische Besonderheit trifft eine Ambrosia-Allergie häufig auch Menschen jeden Alters, bei denen bislang keine Allergien bekannt sind. Das liegt an einem Wirkmechanismus, der einerseits die Schutzfunktion der Mund- und Nasenschleimhaut außer Kraft setzt, und zum anderen am in den Pollen in großen Mengen enthaltenen Adenosin. Dieser körpereigene Stoff hat vielfältige Funktionen, eine davon ist die Signalwirkung für Gewebeverletzungen und Entzündungen. Das in den Pollen enthaltene Adenosin dockt an den entsprechenden Rezeptoren in den Atemwegen an und gaukelt dem Immunsystem massive Gewebeverletzungen bzw. starke Entzündungen vor.
Der Körper reagiert und schickt in großem Maß Immunzellen zu den betroffenen Stellen. Dort werden diese Zellen mit dem ebenfalls in den Pollen enthaltenen Protein Amb a 1 konfrontiert, dem eigentlichen Allergen. Die sich bereits im Alarmzustand befindlichen Immunzellen stürzen sich regelrecht auf den vermeintlichen Feind und schütten massenhaft Abwehrstoffe wie Histamin aus. Diese Kombination aus mehreren Wirkmechanismen führt zu einer deutlich heftigeren Reaktion als bei Gräser- und Blütenpollen üblich, bei der sich das Gewebe binnen kürzester Zeit stark entzündet, die Schleimhäute in Nase und Augen extrem anschwellen und die Bronchien und Atemwegen verkrampfen und verschleimen können, was zu asthmatischen Anfällen führt. Verstärkt wird das durch die Größe der Pollen, die so winzig sind, dass sie besonders tief in die Lunge eindringen können.
Starke Allergien auch bei bislang gesunden Menschen möglich
Dieser Doppelangriff aus Adenosin und dem Protein Amb a 1 ist so effizient, dass er auch bei ansonsten gesunden Menschen, die bislang keine Allergien aufwiesen, rasche und heftige Symptome auslösen kann. Denn im Gegensatz zu klassischen Allergenen wie Birken- oder Gräserpollen, die fast nur entsprechend genetisch veranlagte Menschen treffen, können die Pollen der Beifuß-Ambrosie die Schutzbarrieren jedes Menschen durchbrechen. Dabei hat die vorgetäuschte Entzündung durch das Adenosin erst einmal nichts mit einer Allergie zu tun, sondern ruft eine natürliche Schutzfunktion des Körpers hervor. Dieser wird dann erst recht auf das Ambrosia-Protein aufmerksam und speichert es für die Zukunft als gefährlich ab. Infolgedessen entsteht eine neue Allergie. Auch dann, wenn bislang keine andere bekannt ist. Das Tückische: Wer in einem Jahr nur wenige Tage einer größeren Menge Ambrosia-Pollen ausgesetzt ist, entwickelt durch diesen speziellen Wirkmechanismus recht wahrscheinlich auch eine Allergie, die sich spätesten im nächsten Jahr schon bei kleinsten Mengen äußern kann. Symptome sind dann Heuschnupfen, tränende und juckende Augen, Luftnot und Asthma, Niesattacken, eine verstopfte Nase, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und mehr. Erste Erhebungen legen nahe, dass viele Ambrosia-Allergiker vorher keinerlei Allergien aufwiesen.

Eine Ambrosia-Allergie kann sich auch bis bislang gesunden Menschen entwickeln (Foto: Simon Kadula/Unsplash).
Ob man an einer Ambrosia-Allergie leidet, lässt sich nicht einfach so feststellen, es gibt jedoch Faktoren, die darauf hindeuten können. Besonders der Beginn der Allergiebeschwerden ist hier zu beachten. Denn die Beifuß-Ambrosie blüht vergleichsweise spät von August bis Oktober (bei milden Temperaturen auch bis in den November hinein), also dann, wenn die meisten anderen Blühpflanzen, Bäume und Gräser bereits verblüht sind. Beginnen die Symptome erst im Spätsommer liegt eine Ambrosia-Allergie nahe. Definitiv nachweisen lässt sich diese dann beim Arzt durch einen sogenannten Prick-Test, bei dem typische Ambrosia-Allergene durch einen winzigen Hautritz in den Körper geschleust werden. Bei einer Allergie bilden sich dann rasch die typischen Quaddeln. Alternativ gibt es auch einen entsprechenden Bluttest. Linderung verschaffen Antihistaminika wie Allergie-Tabletten, -Nasensprays oder -Augentropfen, die es frei verkäuflich in der Apotheke gibt. Bei starken Beschwerden kann der Arzt Medikamente mit Kortison verschreiben, die zusätzlich stark entzündungshemmend wirken. Hat eine Verlagerung auf die Lunge stattgefunden, ist zudem gegebenenfalls ein Asthmaspray notwendig. Alternativ lässt sich die Allergie auch mit einer Spezifischen Immuntherapie (SIT) behandeln. Hierbei wird der Körper über drei Jahre hinweg kontrolliert und unter ärztlicher Aufsicht mit dem Allergen konfrontiert. Dadurch soll er lernen, dass von diesem keine Gefahr ausgeht und die starken Reaktionen einstellen. Sprechen Sie bei Beschwerden im Spätsommer am besten mit ihrem Arzt über die Möglichkeiten.
Beifuß-Ambrosia bekämpfen - so geht's
Taucht die Beifuß-Ambrosie im eigenen Garten auf, sollte sofort reagiert werden. Die sächsische Rahmenkleingartenordnung führt die Ambrosie unter den im Kleingarten verbotenen Pflanzen auf. Das heißt, dass das Anpflanzen strikt verboten ist. Zudem müssen wild aufkeimende Exemplare sofort entfernt werden. Am einfachsten lässt sich die Beifuß-Ambrosie noch vor der Blüte samt Wurzel ausreisen. Tragen Sie dabei Handschuhe und langärmelige Kleidung, um den Kontakt mit den Pflanzenteilen zu vermeiden. Steht die Ambrosie bereits in Blüte sind umfangreichere Schutzmaßnahmen notwendig. Fachleute empfehlen hier einen Schutzanzug (zum Beispiel einen Einweg-Overall), eine luftdicht sitzende Schutzbrille und eine FFP2-Schutzmaske mit Ausatemventil. Auch wenn diese Maßnahmen übertrieben wirken, können der Kontakt mit der blühenden Pflanze und die Pollenbelastung bei der Entfernung bereits schwere allergische Reaktionen auslösen und/oder zur Sensibilisierung führen. Führen sie die Entfernung immer bei feuchter Witterung durch, um den Pollenflug zusätzlich zu minimieren.
Durch seine negative Wirkung auf die menschliche Gesundheit (Allergien, Asthma) ist es untersagt das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) in der KGA zu kultivieren. Vorhandene Exemplare sind umgehend zu entfernen.
Rahmenkleingartenordnung Sachsen, Anlage 2 Link zur RKO
Anschließend muss die Umgebung rund um den Wuchsort regelmäßig kontrolliert werden (auch im nächsten Jahr), um neue Aufkeimungen schnellstmöglich entfernen zu können. Wichtig ist, dass die ausgerissenen Pflanzenteile nicht auf dem Kompost oder in der Biotonne entsorgt werden. Stattdessen sollten diese in einer Plastiktüte verpackt und in den Restmüll geworfen werden. Nur so ist sichergestellt, dass eine konsequente Vernichtung stattfindet und die Samen nicht erneut austreiben können. Herbizide und Pflanzenvernichtungsmittel sind gegen die Beifuß-Ambrosie wenig wirkungsvoll und im Kleingarten zudem nicht zulässig!
Darauf achten:
✔ Pflanze eindeutig bestimmen
- Wuchs & Stängel: Krautige, stark verzweigte Pflanze, meist 30 bis 180 cm hoch; der Stängel ist rötlich überlaufen und borstig behaart.
- Blätter: Doppelt gefiedert (ähnlich wie Beifuß), aber im Gegensatz zum echten Beifuß auf der Ober- und Unterseite gleichmäßig grün (nicht weiß-filzig).
- Blüten: Unscheinbare, grünlich-gelbe Blütenähren an den Triebspitzen (Blütezeit von Juli bis zum Frost); beim Zerreiben der Blätter kein aromatischer Geruch.
✔ Kleine Bestände frühzeitig entfernen
- jeglichen Austrieb sofort ausreißen oder ausgraben
- Blüten nicht bis zur Samenreife wachsen lassen
✔ Schnittgut korrekt entsorgen
- niemals auf den Kompost oder in die Biotonne!
- in verschlossenen Säcken über den Restmüll entsorgen!
✔ Flächen gut beobachten & wiederholt entfernen
- Flächen regelmäßig auf keimende Ambrosie-Samen kontrollieren.
- Größere, verwilderte Bestände oder offene Böden konsequent frühzeitig mähen oder mulchen, bevor die Pflanzen blühen und Pollen freisetzen.
✔ Alternativen pflanzen
- Brachliegende Flächen vermeiden und offene Böden durch Mulchen oder gezielte Anpflanzungen bedecken.
Das vermeiden:
✖ Beifuß-Ambrosie im Kleingarten wachsen lassen
- Die Pollen gehören zu den aggressivsten Allergenen der Pflanzenwelt und können schwerste allergische Reaktionen sowie chronisches Asthma auslösen. Auch bei Menschen ohne bisherige Allergien.
- Einmal etabliert, kann sich die Pflanze rasant ausbreiten.
- Samen können bis zu 40 Jahre im Boden überdauern.
✖ Pflanze nicht auf dem Kompost entsorgen
- Weder Wurzeln noch blühende oder samenreife Pflanzen auf den Kompost werfen.
- Die extrem widerstandsfähigen Samen überleben den Rottevorgang und werden über die Komposterde im gesamten Garten verteilt
✖ Nicht anpflanzen
- Das Anpflanzen im Kleingarten ist verboten.
- Häufigste Einschleppungsquelle ist minderwertiges Vogelfutter: Vogelfutterreste unter Futterstellen regelmäßig auf keimende Ambrosie-Pflanzen kontrollieren.
✖ Keine Pflanzenteile in die Natur bringen
Flugfähige Pollen und tausende Samen pro Pflanze breiten sich sonst unkontrolliert in der Landschaft aus.
✖ Keine chemischen Mittel im Kleingarten
- Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln (Herbiziden) ist im Kleingarten strikt untersagt.
- Bei der manuellen Entfernung niemals ohne Schutz arbeiten: Wegen der extremen Allergie- und Sensibilisierungsgefahr stets Handschuhe und bei blühenden Pflanzen eine FFP2-Maske, Schutzanzug und Schutzbrille tragen.
Carmen Kraneis, ausgebildete Fachberaterin
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